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Wie mehrere andere Mitgliedsstaaten der OEEC vertrat auch Österreich in den späten 1950er Jahren die Idee einer gemeinsamen "großen Freihandelszone". Eine wesentliche Hürde für eine möglicherweise gesamt-westeuropäische Lösung war die Errichtung der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft). Diese wurde im Jänner 1958 von den "inneren Sechs" – Frankreich, Deutschland, Italien und den Benelux-Ländern – gegründet, die bereits im April 1951 die Zollunion der EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) eingegangen waren. Als Ziele der EWG wurden der Abbau von Zöllen, eine gemeinsame Außenpolitik und die sukzessive Etablierung als politische Union formuliert. Siehe dazu die Zeittafel der EWG/EG/EU.
Nachdem die Verhandlungen über eine gemeinsame Freihandelszone im Dezember 1958 als gescheitert galten, unterzeichneten die "äußeren Sieben" – Dänemark, Großbritannien, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden und die Schweiz – am 4. Jänner 1960 den Gründungsvertrag der EFTA (European Free Trade Association/Europäische Freihandelsassoziation; Finnland wurde 1961 assoziiertes und 1986 volles Mitglied der EFTA; Island trat 1970, Liechtenstein 1991 in die Freihandelsassoziation ein). Wie auch innerhalb der EWG wurde der phasenweise Abbau von Zöllen und mengenmäßigen Beschränkungen im gemeinsamen Handelsverkehr vereinbart. Der wesentliche Unterschied zur Zollunion bestand in der Autonomie der einzelnen Mitglieder in der Außenhandelspolitik gegenüber Drittländern.
Durch den Zusammenschluss in der EFTA sollte einerseits ein wirtschaftliches Gegengewicht zur EWG entstehen, andererseits aber auch die Position der Mitgliedsstaaten in den Verhandlungen um die weiterhin angestrebte gemeinsame Freihandelszone gestärkt werden. Ein dementsprechendes Abkommens wurde schließlich 1973 unterzeichnet. 1994 begründeten die damals zwölf EG-Mitgliedsstaaten und die EFTA-Länder mit Ausnahme der Schweiz den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).


Österreichische Partizipationen

In der sehr ausführlichen Regierungserklärung vor dem Nationalrat betreffend die Errichtung der EFTA vom 23. März 1960 erläuterte Bundeskanzler Julius Raab die historische Entwicklung dieser Gemeinschaft sowie die Erwartungen, die die österreichische Regierung an eine Teilnahme knüpfte. Diese Rede ist Teil des nebenstehenden Aktenkonvoluts.
Ab 1960 führten die einzelnen EFTA-Staaten die Verhandlungen mit der EWG wegen einer möglichen Mitgliedschaft bzw. Assoziation auf bilateraler Ebene weiter. Österreich stellte das erste Ansuchen 1961. Als Ziel wurde die Harmonisierung der Außenzölle bei gleichzeitiger Beibehaltung einer gewissen handels- und wirtschaftspolitischen Autonomie angestrebt. Argumentiert wurde dabei vor allem mit der starken Verflechtung des österreichischen Außenhandels mit den EWG-Staaten. Die internationalen Stellungnahmen dazu waren unterschiedlich: Während sich die meisten EWG-Staaten wiederholt positiv äußerten, zweifelte die UdSSR an der Vereinbarkeit einer Assoziierung mit den Bedingungen des Staatsvertrages, hier vor allem der Neutralität. Die Verhandlungen scheiterten an einem am 8. Mai 1967 von Italien ausgesprochenen Veto. (Welche Gründe Italien dazu bewogen haben könnten, werden in der nebenstehenden diplomatischen Korrespondenz erörtert.)
Am 17. Juli 1989 stellte Österreich den Antrag auf Vollmitgliedschaft in der EU. Die Beitrittsverhandlungen begannen am 1. Februar 1993 und wurden von den Themen Neutralität, Landwirtschaft und Transitverkehr dominiert. Die am 12. Juni 1994 abgehaltene Volksabstimmung wurde mit einer Zustimmung von 66 Prozent entschieden. Am 1. Jänner 1995 trat Österreich der EU und dem "Schengen-Abkommen" bei und führte als Mitglied der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Jänner 1999 den Euro als Währung ein.

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Zeittafel und Institutionen der EWG/EG/EU:
9. Mai 1950: Der französische Außenminister Robert Schuman gibt die von seinem Mitarbeiter Jean Monet entworfene Erklärung ("Schuman-Plan") über ein gemeinsames Europa ab, dem eine deutsch-französische Verständigung als Ziel zugrunde liegt. Die Idee ist, den einzelnen Nationalstaaten im Sinne der Friedenssicherung die Kompetenz über die materielle Basis einer Kriegswirtschaft zu entziehen.
18. April 1951: Der Gründungsvertrag der EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, Mitglieder: Frankreich, Deutschland, Italien, die Benelux-Länder) als Zollunion im Montanbereich unter der Kontrolle einer weitgehend souveränen "Hohen Behörde" wird unterzeichnet. 1955 erfolgt eine Ausweitung der Kooperation auf alle Bereiche der industriellen Produktion.
30. August 1954: Das Projekt der EVG (Europäische Verteidigungsgemeinschaft) scheitert an der Ablehnung durch die französische Nationalversammlung.
1. Jänner 1958: Unterzeichnung der "Römischen Verträge": Auf Grund des Erfolges der werden von den sechs Mitgliedsstaaten die EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) und die EURATOM (Europäische Atomgemeinschaft) gegründet. Ziel der EWG ist der Abbau von Zöllen, eine gemeinsame Außenpolitik sowie die sukzessive Etablierung als politische Union.
4. Jänner 1960: Gründungsvertrag der EFTA
3. Mai 1960: Der Gründungsvertrag der EFTA tritt in Kraft.
1967: Die drei Institutionen EGKS, EWG und EURATOM werden zur EG fusioniert.
1968: Nach der anberaumten zehnjährigen Übergangszeit sind die Zölle zwischen den EWG-Staaten gänzlich abgebaut.
1. Jänner 1973: Großbritannien tritt – gemeinsam mit Dänemark und Irland – nach langjährigen Verhandlungen der EG bei (Beitrittsanträge: 1961 und 1967).
Dezember 1985: Die EEA (Einheitliche Europäische Akte), die die Schaffung des Binnenmarktes (Realisierung 1992) festschreibt und die Beschlussfassungsverfahren innerhalb des Rates der EG regelt, wird unterzeichnet. Damit erhält die EPZ (Europäische Politische Zusammenarbeit) ihre rechtliche Grundlage, und der seit 1974 bestehende Europäische Rat (zusammengesetzt aus den Staats- und Regierungschefs), der die grundsätzlichen politischen Ziele der EU vorgibt, wird institutionalisiert.
1. Jänner 1981: Griechenland tritt der EG bei.
1. Jänner 1986: Spanien und Portugal treten der EG bei.
3. Oktober 1990: Die DDR tritt als Teil der BRD der EG bei.
7. Februar 1992: Mit der Unterzeichnung des am 1. November 1993 in Kraft getretenen "Maastricht-Vertrages" über die Schaffung einer wirtschaftlichen und politischen Europäischen Union (EU) werden die europäischen Verträge einer zweiten grundlegenden Revision unterzogen. Ebenfalls 1992 wird mit der Gründung der WWU (Wirtschafts- und Währungsunion) die Einführung einer gemeinsamen Währung beschlossen.
1. Jänner 1994: Der EWR (Europäischer Wirtschaftsraum), an dem die mittlerweile zwölf EU-Staaten und alle Mitgliedsstaaten der EFTA mit Ausnahme der Schweiz partizipieren, tritt in Kraft. Ziel ist der freie Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr sowie die Kooperation in den Bereichen Umwelt, Bildung, Forschung, Entwicklung usw.
1. Jänner 1995: Österreich, Schweden und Finnland treten der EU bei. In Norwegen wird der Beitritt durch eine Volksabstimmung abgelehnt.
26. März 1995: Das "Schengen-Abkommen" über den Wegfall der Grenzkontrollen zwischen den unterzeichnenden Ländern des Europäischen Wirtschaftsraumes tritt in Kraft.
1. Jänner 1999: Der Euro wird als gemeinsame Währung eingeführt.
1. Februar 2003: Der "Vertrag von Nizza" regelt die Größe und Funktionsweise der EU-Organe in Anbetracht der Ausweitung der Gemeinschaft.
2004: Zypern, die Tschechische Republik, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Slowakei und Slowenien treten der EU bei. Bulgarien und Rumänien sind Beitrittskandidaten.
Die EU setzt sich (neben mehreren beratenden Institutionen) gegenwärtig unter anderem aus folgenden Institutionen zusammen: Dem Rat der EU (zusammengesetzt aus den Außen- bzw. den zuständigen Fachministerinnen und -ministern der Mitgliedsstaaten) obliegt die Gesetzgebung; die EU-Kommission hat Initiativrecht inne und ist Exekutivorgan für die Abwicklung der Verträge; das EU-Parlament mit Sitz in Strassburg, das seit 1979 in den Mitgliedsstaaten direkt gewählt wird, übt politische Kontrolle und Mitwirkungsrechte aus; das judikative Organ der EU ist der 1958 eingerichtete EuGH (Europäische Gerichtshof).
Die seit dem 1. Juni 1998 tätige EZB (Europäische Zentralbank) legt gemeinsam mit den National-/Zentralbanken der Mitgliedsstaaten die Geldpolitik der Wirtschafts- und Währungsunion fest.

Bilaterale Ebene: 1973 verließen Großbritannien, Dänemark und Irland, 1986 Portugal und 1995 Österreich, Schweden und Finnland die EFTA, um der EG/EU beizutreten. Seit 1. Jänner 1995 bilden nur noch die Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und Island die EFTA. In den 1990er Jahren wurden Freihandelsabkommen mit den Staaten Mittel- und Osteuropas abgeschlossen.
Österreichischer Außenhandel: Im Jahr 1958 betrug der Anteil der Exporte von Österreich in das Gebiet der EWG mehr als 50 Prozent, jener in das Gebiet der EFTA-Staaten jedoch nur rund 10 Prozent. Die Zahlen der Importe wiesen eine annähernd gleiche Größenordnung auf.
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