Stiftung Bruno Kreisky Archiv: Erinnerungsort Wien
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Politik Presse Partei › Presse (Druck- und Verlagsanstalt 1934–1988)
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Austrofaschismus

Das Verbot der SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei) und ihrer Organisationen im Februar 1934 traf das mehrheitlich sozialdemokratische Personal der Druck- und Verlagsanstalt „Vorwärts“ hart: Die Parteileitung wurde verhaftet oder floh ins Ausland, aufständische Schutzbündler wurden eingesperrt und zum Teil standrechtlich hingerichtet. Mehr als ein Drittel der insgesamt 700 ArbeiterInnen und Angestellten der Druck- und Verlagsanstalt wurde entlassen. Zahlreiche politische FunktionärInnen gingen in den politischen Untergrund und gründeten die illegalen „Revolutionären Sozialisten“. Nachdem die „Arbeiter-Zeitung“ verboten und eingestellt worden war, ging ihr Chefredakteur Oscar Pollak zusammen mit einigen Redakteuren und politischen Funktionären nach Brünn ins Exil, wo nach zwei Wochen die AZ als Wochenblatt erschien und von wo aus sie illegal nach Österreich geschmuggelt wurde. Auf die Verbreitung der AZ standen mehrmonatige Kerkerstrafen.
Die bisher auflagenstärkste Zeitung des „Vorwärts“-Verlages, „Das Kleine Blatt“, sollte nach den Plänen der austrofaschistischen Machthaber die politisch heimatlos gewordene Arbeiterschaft ansprechen und für die Grundideen des „Ständestaates“ gewinnen. Zwei Wochen nach der Niederschlagung des Februaraufstandes erschien die populäre Zeitung wieder in ihrem gewohnten Layout. In den Leitartikeln wurde eine gleichgeschaltete Einheitsgewerkschaft als Ersatz für die verbotenen Freien Gewerkschaften propagiert. „Das Kleine Blatt“ durfte sich dabei einer Sprache bedienen, die für die Anhänger der verbotenen sozialdemokratischen Partei akzeptabel war. Schriftstellerinnen wie Veza Canetti konnten, zum Teil unter männlichen Pseudonymen, weiter publizieren. 1935 kam es zu einer Verhaftungswelle unter den FunktionärInnen der verbotenen SDAP. Über die meisten – unter ihnen war auch der spätere Bundeskanzler Bruno Kreisky – wurden mehrmonatige Kerkerstrafen verhängt.

 

Nationalsozialismus
Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich im März 1938 verschärfte sich die Lage für die jüdischen FunktionärInnen des sozialistischen Widerstands dramatisch. Besonders verhängnisvoll wirkte sich aus, dass Hans Pav, ein ehemaliger Sportredakteur der AZ, zahlreiche seiner GenossInnen verriet und damit der Vernichtung auslieferte. Die ausgezeichnete Infrastruktur des Verlages und der Druckerei mit dem hochqualifizierten Personal wurde auch von den Nationalsozialisten genutzt: Unter der Parole „Gemeinsam Vorwärts“ wurden bis Kriegsende Bücher, Broschüren, Plakate und Zeitschriften produziert. Im dritten Stock des Haupthauses, den Räumen des heutigen Kreisky-Archivs, wurde ein Speise- und Veranstaltungssaal mit daran anschließender Betriebsküche eingerichtet. 1944 betrug der Personalstand einschließlich der zur Wehrmacht eingezogenen Arbeiter 1.180 Beschäftigte. Die Zeitung „Das Kleine Blatt“ erschien bis September 1944.

 

Zweite Republik

Mit Kriegsende wurden der Verlag und die Druckerei unter öffentliche Verwaltung gestellt. Ab 5.8.1945 erschien wieder die Arbeiter-Zeitung, ein wichtiges Symbol für die erlangte Freiheit. Oskar Pollak, der bis 1934 Chefredakteur gewesen war, wurde aus dem englischen Exil zurückgeholt.
Mitte der 1950er Jahre war die AZ die auflagenstärkste Zeitung Österreichs, geriet allerdings durch das Aufkommen von Boulevardzeitungen und den verschärften Konkurrenzkampf am Zeitungsmarkt bald zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. In den 1970er Jahren neigte sich die Ära der Zentralorgane politischer Parteien ihrem Ende zu. Die AZ wurde noch bis 1985 im Vorwärts gedruckt. Nach Auslagerung der Redaktion und des Druckes musste die Zeitung aufgrund sinkender Abonnentenzahlen und ausbleibender Inserate trotz verschiedener Rettungsversuche 1991 endgültig eingestellt werden.



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Marshall-Plan: Das European Recovery Program (ERP) wurde nach seinem Initiator, dem US-Außenminister George C. Marshall, auch "Marshall-Plan" genannt. Mit der Abwicklung in den USA war die ECA (Economic Cooperation Agency) betraut. Mit der Koordination in Europa befasste sich die OEEC (Organisation for European Economic Cooperation, seit 1961: OECD – Organisation for Economic Cooperation and Development) mit Sitz in Paris. Die Konvention der OEEC wurde am 16. April 1948 von den 17 westeuropäischen Staaten, die am europäischen Wiederaufbauprogramm der USA teilnahmen, und den beiden assoziierten Mitgliedern Kanada und USA unterzeichnet.

Sozialpartnerschaft: Die Sozialpartnerschaft ist ein zentrales Element der so genannten österreichischen "Konsensdemokratie". Obwohl sie eine prägende Institution der Zweiten Republik war und teilweise immer noch ist, ist sie doch verfassungsrechtlich nicht verankert, besteht also auf freiwilliger Basis.
Den Beginn machte die Gründung der Kammer für Arbeiter und Angestellte 1921 als Gegenstück zur bereits bestehenden Handelskammer. Schon bei der Gründung war vorgesehen, dass die AK mit anderen Vertretungskörperschaften Ausschüsse bilden sollte, um gemeinsame Anliegen zu behandeln.
Im Wesentlichen bedeutet "Sozialpartnerschaft" die Zusammenarbeit von Regierung, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen. Hier werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nach dem Einstimmigkeitsprinzip Abmachungen über die Lohnentwicklung getroffen, wodurch Arbeitskämpfe verhindert werden und der soziale Frieden gewahrt bleiben soll.
Den Anfang der Sozialpartnerschaft machten die fünf Lohn- und Preisabkommen zwischen 1947 und 1951.
Auslöser dafür war der starke Anstieg der Lebenshaltungskosten. So stiegen die Lebensmittelpreise zwischen April und Juni 1947 um 83%, während die Löhne nur um 20% angehoben wurden.
In der daraufhin gegründeten Wirtschaftskommission arbeiteten erstmals die Interessenvertretungen von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zusammen. Die Kommission hatte zum Ziel, die Wirtschaft zu beobachten und der Regierung Vorschläge zu unterbreiten, die die Löhne und Preise stabil halten und die Inflation kontrollieren sollten.
Nachdem der Nachfolger der Wirtschaftskommission, das Wirtschaftsdirektorium, 1952 vom Verfassungsgerichtshof aufgelöst wurde und ein sozialpartnerschaftliches "Vakuum" herrschte, wurde 1957 die Paritätische Kommission gegründet, in der neben den Interessenvertretungen (Arbeiterkammer, ÖGB, Landwirtschaftskammer und Bundeswirtschaftskammer) der Bundeskanzler, der Innenminister und der Minister für Handel und Wiederaufbau vertreten waren.
Obwohl die Kommission nur Vorschläge unterbreiten kann, ist ihr Einfluss bedeutend: Da die Interessenvertretungen in Österreich eng mit den beiden großen Parlamentsparteien verknüpft sind, ergaben sich zwischen Regierungsmitgliedern, Interessenvertretern und Nationalratsabgeordneten stets personelle Überschneidungen, sodass die Vorschläge der Sozialpartner rasch in entsprechende Gesetze und Verordnungen übernommen wurden.
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